Verlorene Paradiese, paraísos perdidos, pepo lizipotea

Verlorene Paradiese, paraísos perdidos, kupotea peponi

             von Irmgard Rahn und Ulrike Froer

 erschienen:  16.10.2014    ©  Krahn Verlag  ISBN 978-3-945672-00-6

 

Buch Perspektive

Inhalt: Eigentlich hat Tina ein beneidenswertes Leben: einen interessanten Beruf, Zwillinge, einen fürsorglichen Mann an ihrer Seite und eine eigenwillige, aber liebevolle Großmutter. Woher kommen dann die Angstattacken?

Bei der Erforschung der Ursachen stürzt Tina von einem Gefühlschaos ins nächste: Die Folgen eines Verbrechens, das vor 24 Jahren begangen worden ist, müssen verarbeitet werden. Lügen, die sie in der Kindheit schützen sollten, werden aufgedeckt und nehmen ihr die Sicherheit, geben allerdings eine Erklärung für ihre innere Leere. Zudem zeigt eine explosive „amour fou“  eine mögliche Alternative zu Tinas geordnetem Familienleben.

Unterhaltungsliteratur:
Zielgruppe:  22-88 Jahre,  Frauen und Männer

Interessen:    Drama verändert Familie, Familienzusammenführung,

Zwillingsthematik, Umgang mit Ehebruch, Vaterliebe,
Vaterschaft, Lebensphilosophie

Auch erhältlich bei Amazon  als Tachenbuch  http://www.amazon.de/Verlorene-Paradiese-paraisos-perdidos-kupotea/dp/394567204X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1431369845&sr=8-1&keywords=verlorene+paradiese+paraisos+perdidos

oder Ebook http://www.amazon.de/Verlorene-Paradiese-para%C3%ADsos-perdidos-kupotea-ebook/dp/B00NWO06T6/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1431369845&sr=8-2&keywords=verlorene+paradiese+paraisos+perdidos

Leseprobe

Der perfekte Platz: Auto abseits vom Weg, in der Wiese, hohe Büsche, keine Spaziergänger.

Jetzt noch ein Probelauf. Oft geübt. Jeder Griff sitzt. Im Null Komma nix ist das Paddelboot im Wasser. Das Wasser ist eiskalt, hineinfallen möchte ich nicht.

Ich brauche noch eine kleine Schwimmweste.
Zeitstopp: 5 Minuten. Passt! Der Baumstumpf als Wasserpfahl. Perfekt!Die Pässe sollte ich ab jetzt immer Martins Pass abgestaubt. Wäre eh bald abgelaufen. Ab und zu ist Verwandtschaft brauchbar. Wenn man nicht genau hinschaut, sehen wir uns schon ähnlich.
Manchmal muss man das Recht beugen, um Recht zu bekommen.

 Salzburg-Morzg, Anfang Februar 2011

   Tina strahlte: Da ist sie, ihre Schneeglöckchenwiese! In der Wintersonne glitzern die weißen Glöckchen zwischen all dem Grün. Sie standen in mehreren großen Gruppen, aber auch einzeln vom Waldrand bis weit in die Wiese hinein. Die will ich auch noch! Die da drüben ist noch schöner! Die beiden hier sind die allerschönsten! Als ihre Hand die Blumen kaum noch umfassen konnte, erhob sie sich, blickte sich um: vor sich nichts als Wald! Morzger Wald. Kein Mensch weit und breit! Knacken im Unterholz. Rätschend fliegt ein Eichelhäher auf.
„Nein!“
Vom vereisten Bach kommt kein Geräusch.
„Lena! Lisa! – Lisaaa, Lenaaa!“
Ihr Atem dampft, so kalt ist es. Von der Schneeglöckchenwiese taumelt sie auf den Waldweg, die Angst in ihrem Magen: wie eine kalte Faust.
„Nein, nein, nein!“
Der nächste Baumstamm steht gerade richtig! Sie muss sich anlehnen, rutscht entlang des Stammes auf den Boden, die Schneeglöckchen entgleiten ihren Fingern. Kalt ist es!
Das schneller werdende Klicken vom Metall der Wanderstöcke: Kathie und Rosie an der Wegbiegung:
„Tina, was hast du?“
„Ganz weiß ist sie!“
„Was ist denn passiert?“
„Wo ist Sebastian?“
Tina schaute sie mit weit aufgerissenen Augen an.

„Sebastian“, murmelte sie, „wieso Bastian?“
Sebastian, den Zwillingswagen schiebend, rief beim Näherkommen:
„Um Himmels Willen, Tina, bist du verrückt geworden? Warum schreist du so? Ich werde doch ein paar Meter vorausgehen können!“

Seine Tina am Boden? Der Kinderwagen holperte nun schneller über die Baumwurzeln, sodass die beide Babys erschrocken zu weinen begannen, ließ den Wagen schließlich mitten auf dem Weg stehen.

„Was ist denn los?“ Er beugte sich über sie. Ganz nah sein besorgter Blick. „Bist du gestolpert?“ Stille.
„Liebling, geht es dir nicht gut? Komm, das ist zu kalt auf dem Boden.“ Tina ließ sich hochziehen, machte einen benommenen Eindruck. Wie in Trance bewegte sie sich auf den Wagen der Zwillinge zu, den Kathie herangeholt hatte. Sebastian blieb an ihrer Seite. Uromis beruhigende Worte hatten Erfolg gehabt: Die Babys glucksten wieder und lächelten ihre Mama an. Kathie streichelte leicht über Tinas Schultern:

„Es ist doch alles in Ordnung.“

Mit Tränen in den Augen fasste ihre Enkelin nach den Händchen ihrer Mädchen. Zweimal elf Monate Glück. Wie oft hatte sie schon Angst um sie gehabt!

„Meine beiden!“

Seine Frau war immer wieder … na was denn? Also: für eine Überraschung gut. Sebastian versteht die Welt nicht mehr, wird ärgerlich:

„Wenn alles in Ordnung ist, können wir ja umkehren. Der Wind ist verdammt kalt. Was ist mit deinen Schneeglöckchen, Tina? Du wolltest sie doch unbedingt pflücken!“

Alle bückten sich nach den verstreuten Blüten.

„Jetzt hat sie wieder Farbe, schau nur!“, flüsterte Rosie.

„Entschuldigt!“, das galt Kathie und Rosie. „Ich schiebe jetzt den Wagen.“, und das war mit energischerem Ton an ihren Mann gerichtet. Hinter den jungen Eltern her stapfend, freut sich Kathie:

„Schau, sie tragen meine Mützen.“

Vor Weihnachten hatte sie ihre Strickkenntnisse aufgefrischt und jedem eine bunt geringelte Mütze unter den Baum gelegt. Sebastian, das hatte sie wohl gemerkt, hatte die Liebe, die sie mit ihrer Handarbeit zeigen wollte, nicht erfasst, sich aber höflich bedankt. Ob Tina dafür gesorgt hatte, dass er sie heute aufgesetzt hat?

„Heute ist auch das richtige Wetter dazu.“

Rosie riss sie aus ihren angenehmen Gedanken:

„Du solltest endlich mit ihr reden!“ Kathies Gesicht versteinerte. Sie blieb stehen, atmete schwer:

„Ich kann nicht darüber sprechen! Ich bin so froh, dass Tina eine glückliche junge Frau geworden ist.“

„Das sah allerdings vorhin bei der Schneeglöckchenwiese ganz anders aus! Ich habe dir schon vor 20 Jahren gesagt, du musst offen mit ihr reden. Sie muss doch die Wahrheit über die Tragödie erfahren!“

„Ja, heute schien sie ein bisserl durcheinander, aber so habe ich sie die ganzen 23 Jahre noch nie erlebt, das vergeht wieder!“

„Ach Kathie, so stur wie eh und je!“

„Man hat anscheinend Freundinnen, damit sie einem Freundliches sagen!“, Kathies Stimme klang etwas spitz.

„Nein, damit sie einem helfen, die Bretter vorm Kopf wegzudrücken, es

ist höchste Zeit, denk darüber nach“, musste Rosie hinzufügen.

„Rosie, du weißt doch, wie es war! Ich kann nicht darüber sprechen. Ich

will mich nicht erinnern! Es tut so weh!“

„Aber Kathie, es geht nicht nur um dich. Es geht auch um deine Enkelin.

Es betrifft doch auch ihr Leben!“

„Schweigen ist manchmal Gold! Und Verdrängen eine gute Alternative! Jetzt freu‘ ich mich erst mal auf etwas Heißes. Komm!“ Sie setzte ihren Weg schneller fort; Rosie versuchte kopfschüttelnd, mit ihr Schritt zu halten.

An Rosies liebevoll gedeckten Kaffeetisch mit Gmundner Porzellan und den Schneeglöckchen in einer weißen Schüssel, sprach man nicht mehr über den Zwischenfall. Tinas mitgebrachter selbst gebackener Guglhupf mit Birnen wurde von allen gelobt. Sie selbst war wohl am meisten Stolz auf sich, dass sie es geschafft hatte zu backen. Vor Kurzem wäre das noch nicht möglich gewesen, da hatte sie kaum das Nötigste einkaufen können, geschweige denn kochen oder …! Eine Tüte Milch auf dem Küchentisch hatte sich gut eine Stunde lang betrachten lassen! Bastian hatte sich gestern richtig gefreut, sie nach der langen Krankheit wieder aktiv zu sehen. Ja, sie hatten schon einige Schwierigkeiten gemeistert!

„Tina“, Sebastian klang ernst, riss sie aus ihren Gedanken, „ich habe dir ein Abschiedsfoto von der Schale mit den Schneeglöckchen gemacht.“ Er legte den Fotoapparat weg, der seit der Geburt der Zwillinge sein ständiger Begleiter war. „Du weißt, dass die Schneeglöckchen inzwischen unter Naturschutz stehen, du solltest wirklich keine mehr pflücken!“

Darüber diskutiere ich nicht! Laut erläuterte sie:

„Ich liebe sie! Sie sind von meiner Wiese! Als ich ein Kind war, sind wir jeden Winter dahin gegangen.“

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