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Natürlich durch Gehirnwäsche. Jaschins Bruder Hamid lernt einen beeindruckenden Mann kennen, der sich seiner freundlich annimmt. Er bringt ihn dazu den islamischen Glauben auch zu leben, das heißt 5 x am Tag beten, Moschee-Besuche und Koran-Unterricht. Hamid kommt immer seltener heim und als ihm Abu Subair auch noch einen Job als Schuhverkäufer besorgt, gar nicht mehr. Jaschin vermisst seinen Bruder sehr, also geht auch er zur „Garage“, zu Abu Subair. Seine Freunde, der halbe Fußballclub der Engel von Sidi Moumen, denen langweilig ist, schließen sich ihm an. Als Nusair, ein Bekannter Abu Subair’s, ihnen Kung-Fu, eine Selbstverteidigungsstrategie beibringen will, sind die Jungs begeistert. Dem Zwang, vor dem Training zu beten, unterwerfen sie sich anfangs murrend, aber gewöhnen sich immer mehr daran. So, wie Jaschin selbst erzählt, sind sie hineingeschlittert.

 

Ein Roman aus Marokko

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  • Gebundene Ausgabe: 157 Seiten
  • Verlag: Lenos; Auflage: 1 (1. Februar 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3857874473
  • ISBN-13: 978-3857874475

Gebundene Ausgabe – 1. Februar 2014

Regula Renschler (Übersetzerin)

Der Autor Mahi Binebine:

Er wurde 1959 in Marrakesch geboren. Ab 1980 studierte er in Paris Mathematik und unterrichtete dort anschließend mehrere Jahre. Von 1994 bis 1999 lebte er in New York. Nach einem neuerlichen Aufenthalt in Paris kehrte er 2002 in seine Geburtsstadt zurück. Binebine ist nicht nur als Autor tätig, sondern auch als erfolgreicher und anerkannter Maler. Einige seiner Werke sind Teil der Sammlung des Guggenheim Museums in New York.

Seine schriftstellerische Karriere begann 1992 mit der Publikation seines Romans »Le sommeil de l’esclave« (1992, dt.: »Der Schlaf der Sklavin«, 1994). Er setzt in seinen Romanen häufig marginalisierte Figuren in ausweglosen Situationen in Szene. Oftmals beginnen die Texte mit der Präsentation solcher Figuren an einem bereits prekären Punkt ihres Lebens; im weiteren Verlauf wird die Geschichte der Protagonisten aufgerollt, u. a. durch Binnenerzählungen oder Rückblenden. So erzählt beispielsweise »Pollens« (2001, Ü: Pollen) von einem Franzosen mit kabylischen Wurzeln, Pierrot, der das Glück in Marokko sucht und allmählich im Drogenrausch in den Wahnsinn abgleitet. In »Cannibales« (1999, dt.: »Kannibalen«, 2003) geht es um die tragischen Schicksale und besonders um die Motive zur Emigration von illegalen Flüchtlingen, die heimlich in kleinen Booten die Meerenge von Gibraltar überqueren wollen. »Terre d’ombre brûlée« (2004, Ü: Verbrannte Umbraerde) handelt, inspiriert vom Schicksal des Malers Gharbaoui, von einem marokkanischen Maler, der auf einer Parkbank in Paris erfriert, nachdem seine Karriere gescheitert ist.

 

Binebines handlungs- und geschichtenreiche Werke sind zumeist einem realistischen literarästhetischen Paradigma verpflichtet und in einem klaren, konzisen Stil verfasst. Sie wurden in mehrere Sprachen übersetzt, darunter auch ins Deutsche, und mit dem Prix Méditerranée und dem Prix de l’Amitié Franco-Arabe ausgezeichnet. Mahi Binebine lebt als freischaffender Maler und Autor in Marrakesch.

Inhalt: Jaschin erzählt die Geschichte seines Lebens – und wie er es beendete. Mit acht Brüdern wächst er in Sidi Moumen auf, einer Barackensiedlung vor den Toren Casablancas. Den Tag verbringt er mit den »Etoiles«, seinen Freunden im örtlichen Fussballklub. Die Buben schlagen sich mit allerlei Gelegenheitsarbeiten durch: Sie durchwühlen die Abfallberge und verkaufen das Brauchbare, putzen Schuhe von Touristen, stehlen auch mal und prügeln sich. Der Fussball ist einer der wenigen Lichtblicke in ihrem Leben.
In dieser Lage kommt Abu Subair gerade recht: Er unterstützt die Jungen mit Geld und Jobs. Sie freunden sich mit ihm an und lauschen seinen Einflüsterungen. Abu Subair verheisst ihnen das Paradies, dessen Pforte ganz nahe sei – was hätten sie denn schon zu verlieren? Angesichts von Armut und Gewalt, von unerfüllten Träumen, von Enttäuschungen, Wut und Trauer hat der Fanatismus der bärtigen Extremisten leichtes Spiel.
Inspiriert von der Geschichte um die Attentäter von Casablanca vom 16. Mai 2003, hat Mahi Binebine einen Roman voller Humor und voller Tragik geschrieben, der zum Nachdenken anregt.

Die Engel von Sidi Moumen wurde 2010 mit dem Prix du Roman arabe und dem Prix littéraire de La Mamounia ausgezeichnet und 2012 vom französisch-marokkanischen Regisseur Nabil Ayouch unter dem Titel Les Chevaux de Dieu verfilmt

Meine Meinung: Ein erschütternder Roman. Es erscheint alles so unabänderlich, obwohl es viel Weggabelungen gab, an denen sie sich anders entscheiden hätten können. Ich möchte zu gerne wissen, wie es Fuad erging, der nicht im Hotel auftauchte. Der Sprengstoffgürtel, den man auch ihm an den Körper fixiert hatte –  nur die Brüder Ubaida können ihn entschärfen, aber sie sind dabei unterzutauchen …

Jaschin erzählt die Geschichte als Toter, der vergeblich auf die Engel, die sie doch ins Paradies geleiten sollten, wartete. Er quält sich mit Schuldgefühlen und wenn er an seine Mutter Jamma denkt oder auch an Ghislan, dann taucht er aus seiner tiefen Einsamkeit auf und schweift über die Gestade seiner Kindheit. Die Mülldeponie qualmt immer noch, an ihrem Rand laufen fröhliche Jungs einem Ball nach, die neuen Engel von Sidi Moumen. Die Barackenstadt ist noch größer geworden und bereits mit der angrenzenden verschmolzen. Es hat sich nichts verändert.

 

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